Prof. Dr. Heinz Theisen

Politikwissenschaftler
Prof. Theisen lehrt Politikwissenschaft an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Gastdozenturen in Osteuropa und im Nahen Osten, Vortragstätigkeiten zu den Themen: Konflikte der Kulturen, Naher Osten, Grenzen des Westens und der Europäischen Union, Gegenseitigkeit der westlichen Werte.

Neuere Buchveröffentlichungen

Der Westen und sein Naher Osten. Vom Kampf der Kulturen zum Kampf um die Zivilisation, Olzog edition, Reinbek 2015
Nach der Überdehnung. Die Grenzen des Westens und die Koexistenz der Kulturen, Lit-Verlag, 3. Auflage Berlin 2014
Hrsg. zus. mit Elisabeth Jünemann, Zehn Gebote für Europa. Der Dekalog und die Europäische Wertegemeinschaft, Altius-Verlag Erkelenz 2009
Die Grenzen Europas. Die Europäische Union zwischen Erweiterung und Überdehnung, Budrich-Verlag, Opladen 2006

Der Westen und sein Naher Osten

Der Westen und sein Naher Osten. Vom Kampf der Kulturen zum Kampf um die Zivilisation, Olzog edition, Reinbek 2015 - weitere Informationen

Nach dem Scheitern der militärischen Interventionen des Westens im Nahen Osten dringen heute Islamisten in das entstandene Machtvakuum vor. Europa ist darüber - von der Flüchtlingsproblematik bis hin zur inneren Sicherheit - in den Sog der nahöstlichen Wirren geraten.
Für den Nahen Osten war die Analyse vom „Kampf der Kulturen“ noch zu optimistisch. Hier kämpfen zwar weiterhin Muslime und Juden sowie islamistische und säkulare Werteordnungen gegeneinander, aber es sind noch innerkulturelle Kriege zwischen Konfessionen, Ethnien und Stämmen hinzugekommen.
Hinter diesen ausweglos erscheinenden Konflikten verbirgt sich nur eine Chance: Je schneller die Selbstzerstörung der alten politischen und religiösen Paradigmen voranschreitet, desto eher könnte das notwendig neue Paradigma einer „Zivilisierung von Kulturen“ auch in der islamischen Welt vorrücken.
Die vielen überzähligen jungen Menschen brauchen statt „Heiligen Kriegen“ und kollektiven Identitäten individuelle Existenzmöglichkeiten. Ausbildung und Bildung, Wissenschaft und Technik, Arbeit und Wachstum, diese durchweg profanen Funktionssysteme sind die wichtigsten Wege zur Umwandlung des Kampfes der Kulturen in einen Kampf um die Zivilisation. Im Prozess der Zivilisierung von Kulturen kommt dem Westen weiterhin eine Schlüsselrolle zu.
Aber er braucht eine neue Strategie: An die Stelle der illusionären Universalisierung seiner Werte und Strukturen muss zunächst seine Selbstbehauptung durch politische Selbstbegrenzung treten. Für die Eindämmung des Islamismus wird dann die Kooperation mit anderen säkularen Mächten wie Russland und China sowie mit gemäßigten islamischen Staaten unabdingbar. Solche Koalitionen werden keine Wertegemeinschaft, aber sie könnten die Grundlage für eine multipolare Weltordnung bilden.
Für Fortschritte in den ausdifferenzierten Funktionssystemen sind die wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Kompetenzen des Westens bedeutsamer denn je. Der Paradigmenwandel vom Kampf zur Zivilisierung von Kulturen muss heute in den west-östlichen Hörsälen und Ausbildungsstätten vorbereitet werden.

Nach der Überdehnung

Nach der Überdehnung. Die Grenzen des Westens und die Koexistenz der Kulturen, Lit-Verlag, 3. Auflage Berlin 2014 - weitere Informationen

Nach zwei verlustreichen Kriegen in der islamischen Welt, inmitten von Schuldenkrisen und des Aufstiegs neuer Weltmächte, ist die globale Vorherrschaft des Westens beinahe schon Geschichte. Der Niedergang der westlichen Dominanz wurde, wie oft in der Geschichte großer Mächte, von vorangehenden Überdehnungen eingeleitet. Heute, nach seiner Überdehnung, muss der Westen seine Grenzen erkennen, um sich in der multipolaren Welt behaupten zu können. Wo etwa mit dem politischen Universalismus des Westens und dem religiösen Universalismus des Islams unvereinbare Ziele aufeinander treffen, erfordert eine neue Weltordnung statt universeller Ansprüche die politische Koexistenz der Kulturen. 

Zehn Gebote für Europa

Hrsg. zus. mit Elisabeth Jünemann, Zehn Gebote für Europa. Der Dekalog und die Europäische Wertegemeinschaft, Altius-Verlag Erkelenz 2009 - weitere Informationen

Heute wie vor 3000 Jahren kann Europa die Zehn Gebote als Orientierung in riskanter Freiheit annehmen. Als zehn An-Gebote, die geschenkte Freiheit zu erhalten, als zehn An-Weisungen, freiheitssensible Bereiche zu schützen – strukturell, durch Ordnungen und Regelwerke. Zehn mal Weg-Wissen, die geschenkten Freiheitsräume mit Leben zu füllen – habituell, durch eine entsprechende Haltung, ein entsprechendes Verhalten.
In diesem Buch mischen sich Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft ein in die aktuelle Debatte um eine „Wertegemeinschaft Europa“ und denken nach über die Relevanz der Zehn Gebote des Alten Testamentes in der heutigen Zeit. Zusammen mit Professorinnen und Professoren der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen befragen sie die 3000 Jahre alte Werteordnung auf ihre theoretische und praktische Relevanz für Europa im 21. Jahrhundert und zeigen, welche Konsequenzen die bewusste Orientierung an einer biblischen Werteordnung haben kann: auf dem Weg zu einer europäischen Wertegemeinschaft.

Die Grenzen Europas

Die Grenzen Europas. Die Europäische Union zwischen Erweiterung und Überdehnung, Budrich-Verlag, Opladen 2006 - weitere Informationen

Nach Ansicht des Autors bietet die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen die Chance, dass sich die Europäer wieder auf  ihre eigene Identität und Kultur besinnen. Die Grenzen der Europäischen Union - so der Autor - liegen dort, wo die kulturellen Voraussetzungen für die Ordnung der Freiheit nicht gegeben sind.

Die angestrebte Vereinigung fast des gesamten Europas – von voraussichtlich 33 bis 35 Staaten – bedeutet gegenüber dem alten westlich geprägten Staatenverbund nicht weniger als eine zweite Gründung der Europäischen Union. Mit der geplanten Erweiterung in den orthodoxen und den islamischen Raum wird aus einer bis dahin westlich geprägten Europäischen Union eine multikulturelle Union. Wenn man den Zusammenhalt der Europäischen Union aber auf ihre gemeinsame kulturellen Wurzeln und Werte zurückführt, drohen durch die politisch motivierten Erweiterungen eine Überdehnung und damit der Verlust des für die Handlungsfähigkeit notwendigen Wir-Gefühls. Diesen Befürchtungen stehen die Hoffnungen gegenüber, dass das Geld und die Ideale der Europäischen Union auch für die Demokratisierung und Stabilisierung Ost- und Südosteuropas reichen.

Es wird Zeit für eine grundsätzliche Besinnung über die Identität und Grenzen und über die politische Gestalt und Finalität der Union. Nicht alle Europäer sind schon „global players“. Viele sind noch auf den Schutz von Grenzen und einer handlungsfähigen Politik angewiesen. Europa scheint sich zunehmend in zwei Lager zu teilen: Denjenigen, die einen möglichst großen Markt und Kulturraum wollen und denjenigen, die den Markt durch politische und soziale Gestaltungsmöglichkeiten ergänzt sehen wollen. Die Unterschiede beider Positionen konkretisieren sich in der Frage nach den Grenzen Europas.

Nach der hier vertretenen Position eines dritten Weges lässt sich diese Frage nicht im Entweder-oder Denken beantworten, sondern nur aus der jeweiligen Wahl eines Landes zwischen zwei parallelen Strukturen: einem politisch integrierten Kerneuropa und einem eher locker gefügten Staatenbund. Die Grenzziehung zwischen diesen Strukturen sollte sich weniger an aktuellen Daten als an den grundsätzlichen Voraussetzungen der Staaten für die Ordnung der Freiheit orientieren. Bei der Festsetzung dieser Grenzen sollte das interkulturelle Lernen eine bedeutendere Rolle spielen.

Neuere Aufsätze

Naher Osten

Kampf der Paradigmen

Veröffentlicht in: Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken 2014/15.

Konflikte der Kulturen

Grenzen des Westens

Grenzen der Europäischen Union

Gegenseitigkeit der westlichen Werte

Lebenslauf

Heinz Theisen

Geboren am 25.11.1954 in Langenfeld/Rheinland
Konfession Römisch-Katholisch
Familienstand Verheiratet, drei Kinder

Ausbildung und Studium

1974 Abitur am mathematisch- naturwissenschaftlichen Gymnasium in Opladen
bis 1980 Studium der Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichte sowie des Staats- und Verfassungsrechts an den Universitäten Göttingen und Bonn
1983 Promotion zum Dr. phil. bei Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Dietrich Bracher an der Universität Bonn

Beruflicher Werdegang

von 1984 bis 1987 Persönlicher Assistent des Rektors der Universität Bonn. Verwaltungs- und Planungsarbeit, Verfassung der Redeentwürfe für den Rektor.
von 1987 bis 1990 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent des Leiters Prof. Dr. Klaus von Schubert bei der interdisziplinären „Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft“ in Heidelberg. Arbeitsschwerpunkte: „Gentechnologie und Politik“ sowie „Ökologie und Demokratie“.
von 1991 bis 1997 Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl und an der Zweigstelle der Hochschule in Biesenthal/Brandenburg. Dort Ausbildung von öffentlich Bediensteten der früheren DDR für den Staatsdienst in der Bundesrepublik.
seit 1997 Professor für Politikwissenschaft an die Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln (Fachbereich Sozialwesen).
von 1996 bis 2002 Mitarbeiter im Transform-Programm der Bundesrepublik Deutschland für Aufbauhilfen der öffentlichen Verwaltungen mittel- und osteuropäischer Staaten. Zahlreiche Lehrtätigkeiten in Osteuropa, China und in Palästina.