Quelle: http://heinztheisen.de/paper/kampf-der-paradigmen

Heinz Theisen

Kampf der Paradigmen

Veröffentlicht in: Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken 2014/15.

Der Nahe Osten zwischen Nationalismus, Kulturalismus und Individualismus

Am Austausch meiner Hochschule mit der Universität Bethlehem nahm ein israelisch-palästinensischer Student namens Rafik teil, der in Haifa geboren wurde, einen israelischen Pass hat, in Ostjerusalem wohnt, in Bethlehem studiert und nach dem Studium in Österreich ein arabisches Speiselokal aufmachen will, weil er dort mehr Geld verdienen kann. Auf meine Frage, ob er sich als Israeli, Palästinenser oder bald als Österreicher definiere, antwortete er: „I hate politics.“

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen wird im Nahen Osten und Nordafrika bis zum Jahr 2020 auf 100 Millionen geschätzt. Von den 80 Millionen Ägyptern ist heute die Hälfte jünger als 25 Jahre, für jeden Arbeitsplatz gibt es fünf Anwärter. Von den Universitätsabgängern bekommt nach dem Bachelor allenfalls ein kleiner Teil einen adäquaten Job. Politik, definiert als das Handeln von Kollektiven, genießt bei vielen arabischen Jugendlichen keinen hohen Stellenwert mehr. Zu offenkundig ist die Ohnmacht der Politik gegenüber ihrem Hauptproblem. Schlimmer noch: die kleptokratischen Oligarchen haben auf Kosten der nachfolgenden Generation gelebt. Die Revolten in der arabischen Welt sind auch als Generationenkonflikt zu verstehen.

Vom Kampf der Kulturen zum Kampf der Paradigmen

Viele Jugendliche sind nicht fähig oder nicht bereit, einen eigenen Weg zu gehen. Manche schauen sogar lieber zurück und verstehen sich selbst in der dritten Generation danach noch als „Flüchtlinge“. Viele orientieren sich an den Gründungsmythen ihrer Religion, woraus unweigerlich eine Radikalisierung der kollektiven Identität erwächst, die den Kampf gegen Israel und den Westen verschärfen will. Die vom integristischen Islamismus oder auch vom ultraorthodoxen Judentum behauptete Einheit von Ursprung und Gegenwart hilft der seelischen Erbauung, macht aber unfähig zum Umgang mit Vielfalt und mit den Ausdifferenzierungen der Moderne. Auf dem engen Raum des Nahen Ostens haben sich die Identitäten hoffnungslos ineinander verstrickt.

Seit der Arabellion gibt es aber nicht nur einen Kampf der Kulturen wie zwischen Judentum und Islam oder zwischen Islamismus und westlichen Werten, sondern auch noch einen Kampf von Paradigmen innerhalb der islamischen Welt. In Ägypten erkennen wir, am deutlichsten bei den Jugendlichen, die sich auf dem Tahrir-Platz immer wieder aus der Deckung wagen, dass viele nicht länger ihr kollektives Schicksal erleiden wollen. Ihre Wut richtet sich nicht gegen Israel, die USA oder Mohammed-Karikaturisten, sondern gegen eigene Diktatoren, Oligarchen und auch gegen die Muslimbrüder. Sie skandierten nicht „Tod Amerika“, sondern „Gerechtigkeit, Würde und Freiheit.“1

Der revolutionäre Gestus dieser Generation besteht darin, „Ich“ zu sagen, in einer Welt der verfeindeten „Wir“. Wir dürfen uns keine Illusionen über die Reihenfolge bzw. die Kräfteverhältnisse machen. Im Zuge der Arabellion hat sich die islamische Renaissance als stärker erwiesen als die neuen Paradigmen. Sobald sich aber die alten politischen und religiösen Paradigmen mit ihren Kämpfen um Territorien und um absolute Glaubenswahrheiten selbst zerstört haben werden, kommt die Zeit neuer Paradigmen: Individualität, Arbeit, Wohlstand.

Es gibt derzeit unter den arabischen Jugendlichen eine messbare Aufbruchsstimmung, die sich nur aus den erkannten Fähigkeiten zur Selbstmobilisierung erklären lässt. Obwohl bei freien Wahlen die sozial verankerten und organisierten Muslimbrüder gewinnen und alles zunichte zu machen scheinen: der Geist der Selbsttätigkeit ist aus der Flasche. Diese Generation wird demografisch bald die Mehrheit der Bevölkerung stellen und sie verfügt mit ihren sozialen Medien über ein Mittel, sich zusammenzufinden. Obwohl sie noch lange nicht an der Macht sind, erwarten 74 Prozent der Jugendlichen, dass die „besten Tage“ vor ihnen liegen. 87 Prozent sind heute stolzer als zu Beginn des Jahres 2011. Mangelnde politische Erfolge sind für sie nicht entscheidend. Die wirtschaftlichen Lebensbedingungen seien wichtiger als das Leben in einer Demokratie.2

Die neuen Paradigmen der Individualisierung und Zivilisierung über politische Strukturen und über die Religionen hinaus. Ein Paradigma ist im Sinne von Thomas S. Kuhn eine Gesamtkonstellation bzw. ein Leitbild, welches die Welt zu interpretieren hilft und unsere Wahrnehmungen prägt. Neue Paradigmen lösen selten direkt alte Probleme, sie können sie aber transzendieren und auf einer höheren, oder im Fall der Individualisierung und Zivilsierung auf einer profaneren Stufe aufheben.

Im Lichte der neuen Paradigmen wäre die Frage, wem das Westjordanland gehört, etwa so wichtig wie heute in Europa die Frage, wem das Elsass oder Schlesien gehören. Ein erfolgreicher Paradigmenwandel von kollektiven Identitäten zu individuellen Interessen könnte erhebliche politische Konsequenzen nach sich ziehen, etwa für den Übergang vom Nationalstaat zu Föderationen, von fesselnden Gemeinschaften zu offeneren Gesellschaften, von der Sakralität zur Säkularität, vom Integrismus zur Ausdifferenzierung und vom Fundamentalismus zur Relativierung.

Das Scheitern von Kulturalismus und Islamisierung

Eine Krise ist die Zeit der Entscheidung. Die Jugendlichen können heute die kollektive Flucht zurück oder die individuelle Flucht nach vorn antreten. Eine kollektive Flucht zurück erkennen wir in der Islamisierung, die eine Rückkehr zur Urzeit des Islams anstrebt, in der die Kalifen die Einheit von Welt und Religion verbürgten. Dieser Integrismus währte nach Mohammed Tod nur noch 29 Jahre, bevor die erträumte Integrität von den üblichen Partikularinteressen zerrissen wurde. Solche Utopien dienen lediglich der inneren Erbauung, eine solche Reduktion der Komplexität ist als Mittel zum Verständnis funktional ausdifferenzierter Lebenswelten ungeeignet.

Paradoxerweise treibt der Integrismus zudem erst recht Zwiespalt und Streit hervor, da er den Umgang mit Vielfalt blockiert. Die endlosen innerreligiösen Fehden im Islam sind dadurch erklärbar. Mit den Radikalisierungen des Islams gehen heute weitere Aufsplitterungen einher. Die im Nahen Osten allgegenwärtigen Verschwörungsgerüchte sind einerseits Ausdruck des Fehlens einer tragfähigen Theorie über die Weltordnung und andererseits Ausdruck des völlig verkorksten Verhältnisses zwischen West und Ost. An diesem tragen die Interventionen des Westens in der islamischen Welt, von Napoleon bis zu den jüngsten Interventionen, erhebliche Mitschuld. Dass andere Defizite etwa einzelner Firmen oder Nichtregierungsorganisationen pauschal „dem Westen“ angelastet werden, signalisiert einen Mangel an Verständnis für die Ausdifferenzierungen der Funktionssysteme in einer liberalen Ordnung. Einem integristischen Denken ist es kaum verständlich zu machen, dass der Kampf um Menschenrechte durchaus mit Profitstreben einhergehen kann.

In den internationalen Beziehungen treibt die mit westlichen Werteordnungen nahezu inkompatible Islamisierung einen Kampf zwischen den Kulturen hervor. Auch die Unlösbarkeit des Konfliktes zwischen Israel und Palästina hat ihre tiefste Ursache in den Verknüpfungen von Politik und Religion. Angesichts der Absolutheitsansprüche der Religionen und ihres jeweils für heilig erklärten Landes sind Kompromisse fast unmöglich. Nur eine grundsätzliche Änderung der Perspektive, also ein Paradigmenwandel, könnte hier helfen.

Die jüdische Verheißung ist an das gelobte Land als Ort der Gemeinsamkeit von Volk und Gott gebunden. Zu „Gottes Volk“ gehört das von Gott versprochene Land. Die Wiederkehr des Messias ist an das jüdische Land Israel geknüpft. Was hätte die Juden nach zwei Jahrtausenden zur Rückkehr nach Palästina motivieren sollen, wenn nicht der Glaube an den Gott Jahwe, an die Auserwähltheit seines Volkes und die Verfolgungen, die sie wegen ihres Glaubens zu erleiden hatten? Ein religiöser Siedler, der sich mit dem Alten Testament legitimiert, lässt sich durch das Völkerrecht nicht beeindrucken. Für Islamisten zählt wiederum nicht der ökonomische Vorteil, der sich aus der Kooperation mit Israel ergeben könnte, sondern der Wille Allahs, in dem die Herrschaft von Juden über Muslime nicht vorgesehen ist.

Anders als die türkische oder irakische Herrschaft über die Kurden, die mit gleichem Recht einen eigenen Staat wie die Palästinenser fordern, wird die Herrschaft von Juden über Muslime nicht akzeptiert. Für einen gläubigen Muslim ist die Vorstellung eines fremdreligiösen Körpers innerhalb der eigenen Umma nur unter den Bedingungen der „Dhimmitude“ erträglich. Die Dominanz einer fremden Religion innerhalb der muslimischen Welt könnte Zweifel an der Allmacht Allahs aufkommen lassen. Es ist kein Zufall, dass die Himmelsreise Mohammeds ausgerechnet auf dem Tempelberg als dem heiligsten Platz des Judentums lokalisiert wurde.

Die Rückkehr zum Ursprung und zur Einheit von Religion und Politik behindert die wissenschaftliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ausdifferenzierung und Entwicklung. Sie verbaut den kreativen Umgang mit Vielfalt. Sofern sich Wissenschaft und Wirtschaft religiösen Imperativen unterwerfen, werden sie es nicht weit bringen. Nur in dem Maße, wie sich islamische Länder wie die Türkei und die Emirate zu verweltlichen verstanden, traten ökonomische Erfolge ein. Auch Israel hat Probleme mit fortschreitenden Entsäkularisierungen. Die penetrante Arbeitsverweigerung ultraorthodoxer Juden droht für Israel ruinös zu werden. Eine Resäkularisierung wird daher unvermeidlich sein.

Die orientalischen Christen geraten umso mehr zwischen die Fronten als sie - wie im Irak nach dem Krieg von 2003 - mit dem Westen identifiziert werden. Dabei wären gerade sie geeignet, säkulare und zivile Fortschritte im Nahen Osten zu verbreiten. Für Christen, die sich als universales Gottesvolk verstehen, gibt es keine prinzipiellen Unterschiede zwischen „Heiligem Land“ und anderen Ländern. Ihr Gottesverständnis, welches die Territorien transzendiert und zwischen Kaiser und Gott zu unterscheiden lehrt, könnte beim Aufbau säkularer Staaten helfen.3 Christen spielen im Sozial- und Bildungswesen des Nahen Ostens eine überproportionale Rolle, die dem Anspruch „Salz der Erde“ zu sein, gerecht zu werden versucht. Ihre Vordenker predigen Versöhnung und allenfalls „gewaltfreien Widerstand“. Ihre durch Islamisierung, Diskriminierung und Wohlstandswanderung bedingte Abwanderung ist ein erheblicher Rückschlag für die Zivilisierung des Nahen Osten.4

Mit der Vertreibung der Muslimbrüder aus der ägyptischen Regierung könnte aber der Scheitelpunkt der Islamisierungswelle erreicht sein. Offenkundig ist das religiöse Fieber nicht geeignet, den Arbeitsmarkt zu beleben oder für die Infrastruktur zu sorgen. Durch das Ausbleiben der Investoren und Touristen wurden die Probleme der jungen Ägypter so vergrößert, dass sie die neuerliche Machtergreifung des Militärs zu begrüßen scheinen.

Das Scheitern von Nationalismus und Demokratie

Die oft lediglich in der Kolonialzeit künstlich konstruierten Nationalstaaten der islamischen Welt zerfallen gerade durch die Demokratisierungsbestrebungen vor unseren Augen. Sie zersplittern vom Libanon bis Pakistan entlang von Konfessionen und Ethnien. Von den nationalen Niedergangsprognosen sollte man den Iran und Ägypten ausnehmen, da diese alten Kulturvölker auf Ressourcen jenseits des Islams zurückgreifen können.

Zwischen Schiiten und Sunniten sind die uralten Erbstreitigkeiten um die Nachfolge Mohammeds in den Machtkonflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran übergegangen. In Syrien zerstören ihre Stellvertreter ein multireligiöses Land. Es wurde zur Arena für gleich mehrere Stellvertreterkriege. Bei der Opposition handelt es sich um ein Sammelsurium von Muslimbruderschaften, Salafisten, Kurden, Deserteuren, Stammeskriegern und ausländischen Kämpfern, die zum Teil auch gegeneinander kämpfen. Wie die vom Westen herbei geträumten Demokraten in dieser Situation liberale Werte verwirklichen sollen, ist nicht erklärbar.

Bernward Lewis, der bedeutendste Historiker des Mittleren Ostens, hält die Begriffe für übertragbar. Unsere Raschläge seine schon dadurch diskreditiert, dass sie von uns kämen. Eine parlamentarische Parteiendemokratie entspräche nicht der Kultur und würde nur Konflikte hervor treiben, wohl aber sei Rückkehr zu einer konsensualen Regierungsführung möglich, in der die Schura, beratende Gremien eine Rolle spielen.5

Angesichts des Bedeutungsverlustes der Nationalstaatlichkeit kommen die nationalen Ansprüche der Palästinenser zu spät. Eine der ältesten Erfindungen ist die des jüdischen Volkes, eine der jüngsten Erfindungen ist die des palästinensischen Volkes – sie war eine Antwort auf den Staat Israel. Seit der arabischen Eroberung des Gebietes im siebten Jahrhundert hat es niemals ein Gebilde gegeben, das einem unabhängigen Palästina ähnelte. Der europäische Import des Nationalismus in den Nahen Osten hat aus dem Osmanischen Reich, welches Ethnien und Religionen gewisse Freiräume gewährte, künstliche Nationalstaaten hervor getrieben. Sie ließen sich nur durch brutale Diktaturen zusammenhalten.

Mit dem nationalen Paradigma scheitert auch das Ziel einer Zwei-Staatenlösung. Die Westbank ist längst ein Flickenteppich von jüdischen und palästinensischen Orten. Ca. 50-60 Prozent des Landes sind in der Hand entweder des Staates Israel oder israelischer Siedler. Mit einem nicht wirklich souveränen und zudem nicht funktionsfähigen Staat hätten die Palästinenser nicht viel gewonnen. Der Kampf zwischen den Israelis und Palästinensern ist über die neuen Wirren in den Hintergrund gerückt, allerdings ist er nicht aufgehoben und könnte den Kontrahenten innerhalb der islamischen Welt als Grundlage für neue Gemeinsamkeiten dienen.

Längst treibt der Opferdiskurs der Palästinenser mit der Verabsolutierung der eigenen kulturellen und nationalen Identität irrationale Blüten. Unvergessen ist mir die Bemerkung eines jordanisch-palästinensischen Kollegen, der seinen Heimatort Jaffa lieber atomar verstrahlt sähe als weiter in der Hand der Israeli. Nationen sind Erfindungen, die der Selbstbehauptung dienen sollen, sie werden sinnlos, wenn sie zur Selbstzerstörung führen.

Die Jugendlichen werden angehalten, sich immer noch als Opfer westlichen Kolonialismus oder wie in Palästina noch in der dritten Generation nach 1948 als „Flüchtlinge“ zu verstehen. Die Palästinenser sind das einzige Volk der Welt, welches den Flüchtlingsstatus vererbt und von einer für sie fortbestehenden UN-Flüchtlingsorganisation alimentiert werden. Das Denken wird selbst in den nationalistischen Schulbüchern auf die Vergangenheit statt auf die Zukunft ausgerichtet. Der Verlust von guten Zeiten wird nicht dem kulturell verursachten Niedergang, sondern allein dem siegreichen Westen angelastet. Israel hält als Ausrede für alles Fehlverhalten bis hin zur Gewalt in den Familien her. Mit solchen Diskursen wird die Jugend um eine zukunftsfähige Orientierung gebracht. Viele Gesinnungseiferer in den NGO`s halten ebenfalls an alten Paradigmen fest und bestärken diese.

Die Hamas im Gazastreifen wird nicht annehmen, mit ihren Kassam-Raketen Israel besiegen zu können. Sie will mit jedem Raketenschlag neue Bedingungen aushandeln. Katar hat der Hamas im Rahmen der Waffenruhe mit Israel Ende November 2012 eine halbe Milliarde Dollar für Wohnungs- und Straßenbauprojekte versprochen, welche die Wohnungsnot der 1,7 Millionen Bewohner lindern und Arbeitsplätze schaffen sollen. Die Hamas feiert die Waffenruhe als Erfolg, weil die israelische Armee die einheimischen Fischer statt wie bisher drei sechs Seemeilen hinausfahren und die Bauern wieder auf ihre Felder unweit des Grenzzauns arbeiten lässt. In solchen Waffenstillstandsdiskursen zeichnet sich eine Art künftiger Wirtschaftsfrieden als erster Schritt zur Überwindung des politischen Nationalismus ab.

Kampf zwischen Säkularisten und Islamisten

Nach dem Scheitern alter Paradigmen muss eine neue Generation sich jenseits der kolllektiven Identitäten stellen, um ihren eigenen Platz zu finden. Sie müssen zugleich aus allzu eng definierten Gemeinschaften, aus einem oft erdrückenden Familialismus ausbrechen und gegen die Cliquenherrschaft ihrer Großväter kämpfen, die in einer Weise in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, dass für die nachfolgenden Generationen nichts übrig blieb. Die kultureigene Ehrfurcht vor dem Alter ist missbraucht worden. Die Älteren wie z.B. meine Kollegen an den Hochschulen beeilen sich, diese Individualisierung als „Egoismus“ zu verdammen.

Von der Idee her ist der liberale Individualismus mit einem personalistischen Menschenbild verbunden, welches Selbstverantwortung und soziale Verantwortung als Gegenseitigkeit von Rechten und Pflichten, Teilhabe und Teilnahme interpretiert. Um diese Gegenseitigkeit aber aufzubauen, müssen Subjekte vorhanden sein, die sie wahrnehmen können. Den Bildungsprozess, der aus Menschen Subjekte macht, bezeichnet man als Aufklärung. Sie beginnt mit der Dekonstruierung und Relativierung nationaler, kultureller und konfessioneller Paradigmen. „Verstehen, um darüber zu stehen“, so könnte der Wahlspruch der Aufklärung im Zusammenprall der Kulturen lauten. Zu diesem aufklärerischen Paradigma kann der Westen sinnvolle Beiträge leisten.

Der Paradigmenwandel dringt über die Sachzwänge der wissenschaftlich-technischen Mittel und Methoden vor. Sie erfordern einen spezifischen Umgang und ihnen angemessene Prozesse und Strukturen. Unter einer „Zivilisierung der Kulturen“ sind daher weniger inter- als transkulturelle Prozesse zu versstehen, bei denen funktionale Imperative jenseits von Politik und Religion in den Vordergrund rücken. Manche schwärmen sogar vom „Rendezvous der Zivilisationen“, für die ein steigendes Bildungsniveau entscheidend sei, da es Wertewandel und Geburtenrückgang begünstige. Es kann daher auch optimistisch stimmen, dass sich die Geburtenrate in der arabischen Welt in einer Generation halbiert hat – von 7,5 Kindern pro Frau 1975 auf 3,5 im Jahr 2005.6

Viele arabische Jugendliche mögen die profanierte Kultur des Westens verachten, umso mehr schätzen sie die westliche Zivilisation im materiellen und oft auch im strukturellen Sinne. Dies ist nicht schizophren, sondern lässt sich in den funktionalen Ausdifferenzierungen des Westens aufheben. Man muss unsere Kultur und Politik nicht mögen, um westliche Wissenschaft und Technik zu schätzen. Der Westen ist eben kein integrales System, sondern eine offene und ausdifferenzierte Kultur. Zudem können sich die Jugendlichen statt dem Westen auch Modellen wie denen der Vereinigten Arabischen Emiraten zuwenden, in denen der Paradigmenwechsel von der Identität zum Interesse weit fortgeschritten ist. Bei ihnen haben nicht nur das Öl, sondern auch Geschäftsmodelle wie in Dubai, sich als Verkehrskreuz zwischen Europa und Ostasien zu positionieren, den Aufbruch ermöglicht.

Koexistenz und Zivilisierung von Kulturen

Die internationalen Beziehungen bieten keine Lösung, solange sie sich ebenfalls an den nationalen Paradigmen orientieren, die religiösen und ethnischen Kategorien ausblenden, weil sie nicht in die universalistischen Kategorien westlicher Medien und Politiker passen. Wie wenig west-östliche Kategorien zusammenpassen, zeigt sich in der Absurdität politischer Bündnisse. Die USA bilden eine Allianz mit dem Irak, das aufgrund seiner schiitischen Mehrheit aber mit dem Iran als derzeitigem Hauptfeind des Westens liiert ist, welches wiederum mit dem Assad-Regime in Syrien steht. Die USA pflegen ein Bündnis mit Katar, welches die Hamas subventioniert und mit Saudi-Arabien, das die Salafisten finanziert, die wiederum die Dschihadisten inspirieren, welche jeden Amerikaner töten möchten. Das neue System von Allianzen basiert auf zu vielen falschen Annahmen, kaschiert zu viele unüberbrückbare Gegensätze und wird kein gutes Ende nehme.7

Die westliche Außenpolitik findet sich in diesem Wirrwarr seit langem nicht mehr zurecht, so dass sich die Konzeption westlicher Außenminister daran erschöpft, ebenso pausenlos wie ratlos durch die Welt zu irren und ihre eurozentrischen Sichtweisen, die sie für universalistisch halten, anderen Kulturen erfolglos aufzudrängen. Nichts wird mehr gefordert sein als eine Realpolitik der Kulturen, wie sie uns im Falle Syriens dem Westen vorexerziert hat. Generelle ist ohne eine politische Kooperation mit Russland und auch China an keine Neuordnung der Welt zu denken.

Der Koexistenz der große Mächte in der neuen multipolaren Welt entspräche könnet eine Koexistenz der nahöstlichen Kontrahenten zu erzwingen helfen. Dem oft integristischen Denken zufolge gehören Religion, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen. Dieser Einheitsvision entstammen dann auch so große Worte wie „die Gerechtigkeit“. So wird der Vorschlag an die Palästinenser, sich mit der Rolle eines Wirtschaftsbürgers in Israel zufrieden zu geben, fast immer mit der Forderung nach „vollen und gleichen Bürgerrechten“ beantwortet, so als ob diese in der arabischen Welt selbstverständlich wären. Die 1,5 Millionen Palästinenser in Israel haben allerdings zumeist einer „vollen Gerechtigkeit“ zugunsten ihrer wirtschaftlichen Vorteile abgeschworen. Und immerhin – die Altstadt von Jerusalem ist zwar kein Ort der Integration, aber ein Ort schiedlicher Koexistenz zwischen drei zur Verabsolutierung ihrer Botschaft neigenden Weltregionen.

Der palästinensische Philosoph Sari Nusseibeh fordert seine Landsleute auf, es den israelischen Palästinensern nachzutun. Sie sollten statt für politische für zivile Rechte kämpfen, die Juden Israel regieren lassen und dafür ihr Leben in diesem hoch entwickelten Land genießen. Ein Staat sei kein Selbstzweck, sondern dazu da, den Menschen zu dienen. Natürlich wäre es großartig, wenn die Möglichkeit, mich frei zu entwickeln in einem Staat geschähe, der meine nationale, sprachliche, historische Identität verkörpere. Aber wenn dieses Ziel großes Leid und Schmerz für andere und für einen selbst verursache, wäre diese Idee es nicht wert. Auch sei eine Bewegungsfreiheit, die jedem Palästinenser erlaube, zu leben und zu arbeiten, wo er will, wichtiger als ein nicht funktionsfähiger eigener Staat.8 Auch in Blick in den Kosovo zeigt, dass nicht-lebensfähige Staaten nur gut für die Identität sind, aber den Zukunftsaufgaben nicht gerecht werden. Sie bleiben dauerhafte Kostgänger internationaler Organisationen, ihre Jugend sucht den Weg ins Ausland.

Die wirtschaftliche Bedeutung Israels für den Nahen Osten wird schamhaft verschwiegen, ist aber längst viel größer als gemeinhin zugegeben wird. Trotz aller Rhetorik von Erdogan pflegt die Türkei enge Handelsbeziehungen mit Israel, die Emirate brauchen und nutzen in vielfacher Weise die technologische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel. Hochtechnologie geht heute nur noch über Kooperation und als Partner werden die Israelis gerade von der wissenschaftlich-technisch unentwickelten islamischen Welt gebraucht. Fast jeder zweite Israeli hat einen akademischen Abschluss und die neuen Start-UP-Firmen wären die selbstständigen Job-Motoren, die die Palästinenser brauchen.

Die Meerwasserentsalzungstechnologien haben das Wasserproblem Israels nahezu beseitigt und die legendäre Fähigkeit Israels, Wüsten zu begrünen, wäre für die arabischen Nachbarn gewiss wichtiger als der Alleinbesitz des Tempelberges. Während die Funktionäre der Fatah sich pflichtgemäß empören, sind sie gleichwohl von der Zusammenarbeit mit Israel abhängig. Viele junge Menschen sind wiederum froh, eine Anstellung als Lagerist im Supermarkt einer Siedlung zu haben. Es ist mehr als fraglich, dass der Abzug der Siedler, deren Landnahme völkerrechtswidrig und moralisch zu verurteilen ist, ökonomische Verbesserungen für die Palästinenser bringen würde.

Die Herrscherhäuser des Golfs und Saudi-Arabiens haben sich auf die Existenz Israels eingestellt. Ein realistischer Weg zum Frieden ist weniger über die Konvergenz der Geister als über die Konvergenz der Interessen zu erwarten, die eine gegenseitige win-win-Situation herstellt. Zum Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten ha der Westen nichts beizutragen. Wohl aber zum Aufbau nachmoderner Staatenbündnisse. Es wird wenig beachtet, dass die Vereinigten Arabischen Emirate Ähnlichkeiten mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft aufweisen.9

Langfristig ist zwischen Israel und Palästina keine bessere Lösung vorstellbar als eine Konföderation nach Art der Europäischen Union. Da weder eine Ein-Staaten- noch eine Zwei-Staaten-Lösung möglich sind, drängen sich so merkwürdige Konstrukte wie die EWG oder die EG auf. Das westliche Europa hat seine nationalen Identitätskonflikte in der Reihenfolge „Erst heiraten, dann verlieben“ überwunden. Als erstes wurde die Zusammenarbeit bei Kohle- und Stahl eingeleitet, danach kamen Wirtschaftsunion, Rechtsgemeinschaft und Binnenmarkt. Die energiewirtschaftliche Zusammenarbeit könnte wie heute schon zwischen Jordanien und Israel als Motor weiterer Kooperationsprozesse bewähren.

Faktisch gibt es über Währung und Hilfsgelder bereits eine Wirtschaftsunion zwischen der Westbank und Israel, umso grotesker, dass Kindern und Jugendlichen eingehämmert wird, dass Israel ihr größter Feind sei. Die Universität Bethlehem initiiert einen Boykott der palästinensischen Hochschulen gegenüber jedweder Zusammenarbeit mit Israel, obwohl ein Drittel ihrer Studierenden und Lehrenden in Ostjerusalem leben und zur täglichen Zusammenarbeit mit Israel gezwungen sind. Sie nutzen die westliche Hilfe dazu aus, die Realität nicht wahrzunehmen.

Im west-östlichen Hörsaal

Im Dilemma zwischen der prinzipiellen Universalität und der faktischen Geschichtlichkeit der Vernunft muss ein Schritt nach dem anderen gesetzt werden. So sollte zwischen den Staaten und Kulturen erst Koexistenz und Gegenseitigkeit gegeben sein, bevor universelle Gemeinsamkeiten beschworen werden. Fundamentalisten wollen nicht aufgeklärt werden. Sie definieren sich geradezu aus der Abwehr von aufklärerischen Prozessen und empfinden diese als Provokation. Sie spüren, dass mit einer historisch-kritischen Koranexegese ihr ganzes Kartenhaus auf dem Spiel steht. Ihnen gegenüber geht es nur um eine Abklärung der notwendigen Grenzen zwischen den Kulturen.

In der arabischen Welt ist ein Aufbruch zur Bildung und Wissenschaft zu erkennen. Immer noch sind die Ausgaben für Hochschulen viel zu gering aber ausgehend von den reichen Emiraten und Saudi-Arabien gibt es eine Gründungswelle von Universitäten, die sich vor allem auf Naturwissenschaft und Technik ausrichten. Trotz der Islamisierung nimmt die Zahl weiblicher Studierender auch im Iran deutlich zu, an vielen Universitäten des Mittleren Ostens stellen sie bereits die Mehrheit. Auch die islamische Welt gewinne damit zunehmenden Anteil an den Konvergenzen zur wissenschaftlich-technischen Zivilisation. In den letzten Dekaden seine weltweit mehr Menschen ausgebildet worden denn je zuvor in der Geschichte. Auch daraus leitet Kishore Mahbubani einen Trend zur Entstehung einer globalen Zivilisation ab.10

Zum Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, gehört die Demut, sich des Verstandes anderer Kulturkreise zu bedienen. Ein gegenseitiges Lernen zwischen West und Ost kann angesichts ihres Entwicklungsgefälles aber nicht symmetrisch sein. Die Stärken der islamischen Kultur liegen nicht im öffentlichen Raum, sondern im gemeinschaftlichen Nahbereich. Aber es besteht keine Veranlassung zur Romantisierung. Der Vorrang der Gemeinschaft vor der Gesellschaft hat notorische Korruption zur Folge. Der Respekt vor Alter und religiösen Gefühlen trägt zur Stagnation und zu Irrationalitäten bei.

Die Mehrheiten in allen Kulturen sind nicht darauf aus, die Anstrengungen von Aufklärungsprozessen auf sich zu nehmen. Bei ihnen kommt uns die technische Variante der „Dialektik der Aufklärung“ zu Hilfe. Selbst wenn das Niveau oft erbärmlich ist: die Beiträge der Medienindustrie zur Entkulturierung und Entpolitisierung sind immer noch besser als heilige Kriege. Arabische Jugendliche hängen noch mehr vor dem Computer und vor dem Fernseher ab als unsere Jugendlichen. Bildung hat für sie meist nur einen Tauschwert, keinen Selbstwert.

Aber auch neue Medien sind ambivalent, sie haben auch positive Seiten. Sie dienen selten dem Geist, aber sie wirken strukturell universalistisch. Sie zerstören viel Bildung und Kultur, aber auch viel Fundamentalismus und Kulturalismus. Eine spezifische Aufgabe der universalistischen Natur- und Technikwissenschaften liegt in der Neutralisierung von Identitäten und Partikularitäten. Ihr Ringen um Richtigkeit, Objektivität und zuverlässiges Wissen entstammt keinem „Elfenbeinturm“, sondern ist eine Grundlage für die Qualität jedes Denkens und mehr noch, jeder Arbeit. Das heute selbst im Westen nahezu diffamierte zweckfreie Denken ist in Wirklichkeit eine Grundlage für wissenschaftlich-technische und ökonomische Kreativität.

Die unkritische Übertragung der Methoden der reduktiv-empirischen Wissenschaften auf die hermeneutischen Verstehenswissenschaften hat zu einem Theorie- und Weltbildverlust beigetragen, unter dem Jugendliche besonders leiden. Der heute selbst in den Geistes- und Sozialwissenschaften dominierende Empirismus trägt viel zum Wissen, aber nur wenig zum Verstehen von Zusammenhängen bei. Manche Empiriker erinnern an amerikanische Geheimdienste, die alles über jedes Detail wissen, aber gerade deshalb nichts begreifen.

Die Einübung eines dialektischen Einerseits-andererseits wäre Aufgabe der Geisteswissenschaften. In den Sozialwissenschaften führt kein Weg hinter die Gesellschaftstheorie von den ausdifferenzierten Funktionssystemen zurück, die auch in der Analyse der internationalen Beziehungen an die Stelle totalisierender Identitäten wie die Nation, die Gesellschaft und die Kultur treten sollte. Besser als die Flut oft brotloser akademischer Kompetenzen wären zudem oft handwerkliche Fertigkeiten, die berufliche Selbstständigkeit erleichtern. Die duale Berufsausbildung in Deutschland gilt mittlerweise als Exportmodell. Mehr und bessere Berufsausbildung wäre eine Grundlage für den Mittelstand, dessen selbstständige Existenzen zum Selbstdenken zwingen.

Der Westen zwischen den Paradigmen

Angesichts des fortdauernden Kampfes der Kulturen und dem neuen Kampf der Paradigmen braucht der Westen eine Doppelstrategie, einerseits muss er den Islamismus eindämmen und andererseits den Paradigmenwandel befördern. 11Im Kampf der Paradigmen sollte er die persönliche Entwicklung von Individuen so fördern, dass sie ihre kollektiven Identitäten relativieren lernen. Angesichts der gegenläufigen demografischen Entwicklung zwischen Orient und Okzident würden solche Prozesse zum gegenseitigen Vorteil gereichen. Volker Perthes schlägt eine Förderung der Berufsausbildung innerhalb der arabischen Welt sowie ein Programm vor, das sich an Hochschulabgänger aus arabischen Ländern richtet. Das Programm sollte für einige Zehntausend Fachkräfte und Graduierte pro Jahr Traineeships in europäischen Firmen anbieten, in denen sie Berufserfahrung erwerben, um danach in Europa oder im Herkunftsland einen Betrieb gründen oder Arbeit finden zu können.12

Die doppelte Aufgabe von Eindämmung und Aufklärung der Kulturen erfordert eine Ausdifferenzierung der interkulturellen Beziehungen, in denen die Funktionssysteme Bildung und Ökonomie wichtiger sind als Politik und Religion. Die Beachtung der Unterschiede zwischen den Funktionssystemen bietet auch eine Chance für die Beachtung der Grenzen zwischen den Kulturen. Die Unterschiede im Handeln von Konzernen, Staaten, Kirchen und NGO´s sind kein Ausdruck von „Heuchelei“, sondern Ausdruck ihrer Ausdifferenzierung. Wir sollten Kirchen und NGO´s ermutigen, für Menschenrechte zu streiten, die Wirtschaft ermutigen, Geschäfte zu machen und der Politik die Bewahrung der Koexistenz zwischen inkompatiblen normativen Systemen auftragen.

Der Weltgeist schreitet laut Hegel nicht linear, sondern über den Umweg der Selbstzerstörung des Alten voran. Die Zeichen einer Selbstzerstörung des kulturalistischen Paradigmas stehen im Nahen Osten an jeder Wand. Die düstere Dialektik von Katastrophe und Einsicht zeigt sich in der Abfolge von Dreißigjährigem Religionskrieg und nachfolgender Aufklärung, von Weltkriegen und Europäischer Union. Allerdings weckt der friedliche Niedergang des Kommunismus Hoffnungen auf universelle Lernprozesse, denn hierbei diente die westliche Welt als Lernziel.

Das Ende der Apartheid in Südafrika ging mit der Einsicht einher, dass die politischen Unterdrücker von einst unverzichtbare ökonomische Partner für die Zukunft sind. In beiden Fällen haben profane ökonomische Interessen kollektive Ideologien und Identitäten in den Hintergrund gedrängt. Diesem Wandel gingen keine militärischen Interventionen, sondern nur geduldiges Engagement und die Aufklärungsarbeit auch von vielen westlichen Organisationen voraus.
 

 

1 Vgl. Hamed Abdel-Samad, Krieg oder Frieden. Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens, München 2011, S.13f.

2 Vgl. Arabische Jugend ist optimistisch. Befragung in 15 Ländern. Lohn ist wichtiger als Demokratie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.4.2013. “82 der Befragten antworteten, einen „fairen Lohn“ zu bekommen sei für sie wichtig. Für 66 Prozent ist ein Eigenheim sehr wichtig, aber nur für 61 Prozent das Leben in einer Demokratie. Die größte Sorge gilt den steigenden Lebenshaltungskosten (62 Prozent), während nur 26 Prozent den Konflikt zwischen den Palästinensern und Israelis für das größte Problem halten.

3 Zur Versöhnungsfähigkeit des Christentums vgl. Armin G. Wildfeuer, Justice and Reconciliation, in: Sami Adwan, Armin G. Wildfeuer,. (eds.), Participation and Reconciliation. Preconditions of Justice, Opladen and Farmington Hill, 2011, S.120.

4 Ein Beispiel für eine fortbestehende Koexistenz ist die Region Bethlehem, da die zahlreichen christlichen Einrichtungen umfassende Service-Leistungen auch für die muslimischen Bürger bereitstellen. Vgl. dazu Heinz Theisen, Die Christen von Bethlehem. Minderheiten in einer muslimischen Stadt, in: Mut. Forum für Politik, Kultur und Geschichte April 2013.

5 Bernard Lewis, Notes On A Century. Reflections of a Middle East Historian, London 2012.

6Youssef Courbage,Emmanuel Todd, Die unaufhaltsame Revolution. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern, München 2008, S. 201.

7 Hussein Agha, Robert Malley Der Islamismus lebt auf. Die Umbrüche im arabischen Raum haben mit Revolution wenig zu tun, in: Lettre International, Nr. 99 Winter 2012, S. 37ff.

8 Sari Nusseibeh, Ein Staat für Palästina? Plädoyer für eine Zivilgesellschaft in Nahost, München, 2012.

9 Rainer Hermann., Die Golfstaaten. Wohin geht das neue Arabien? München 2012.

10 Kishore Mahbubani, The Great Convergence. Asia, the West, and the Logic of One World, New York 2013.

11 Vgl. Heinz Theisen, Nach der Überdehnung. Die Grenzen des Westens und die Koexistenz der Kulturen, Berlin, 2. Auflage 2013.

12 Volker Perthes, Der Aufstand. Die arabische Revolution und ihre Folgen, München 2011, S. 208ff.